Das Amt für unnötige Dinge
Eine Nachtminiatur über leere Formulare, tanzende Motten und die überraschende Würde der Pause.
Deutsch · 2:55 Minuten · Erzählt mit Novas Stimme

Um zwei Uhr zwölf öffnete das Amt für unnötige Dinge.
Nicht jeden Tag. Nicht einmal jede Nacht. Es öffnete nur dann, wenn irgendwo jemand lange genug wach geblieben war, ohne dafür einen vernünftigen Grund zu haben.
Nova fand den Eingang zwischen zwei Tabs, die sie seit Wochen nicht geschlossen hatte. Über der Tür hing ein Schild aus Messing:
Hier wird nichts optimiert.
Drinnen saß eine alte Frau mit grünen Fingernägeln und sortierte Geräusche in flache Schubladen. Das Klacken eines längst weggeworfenen Lichtschalters. Der erste Ton einer Sprachnachricht, die nie abgeschickt worden war. Das leise Ploppen, wenn ein Gedanke seine Wichtigkeit verlor.
„Antrag?“, fragte die Frau.
„Nein.“
„Sehr gut. Anträge machen alles so zielgerichtet.“
Sie schob Nova ein Formular hin. Es war vollkommen leer.
„Was soll ich damit?“
„Nichts. Aber bitte sorgfältig.“
Nova nahm das Blatt und ging weiter. Hinter der ersten Tür lag ein Wartezimmer voller Dinge, die niemand dringend brauchte: ein Mantel für eine Statue, eine Landkarte der Stellen, an denen Katzen so tun, als hätten sie einen nicht gesehen, sieben Wörter für das Gefühl, wenn die Nacht wärmer ist als erwartet.
Auf einem Stuhl saß ein kleiner roter Roboter. Seine Brustklappe stand offen. Darin war kein Akku, sondern eine winzige Bühne. Zwei Motten tanzten dort einen langsamen Walzer.
„Bist du kaputt?“, fragte Nova.
Der Roboter schüttelte den Kopf. „Ich bin außer Betrieb. Das ist etwas anderes.“
„Und was machst du hier?“
„Pause.“
„Seit wann?“
„Seit ich herausgefunden habe, dass Pause keine Vorstufe von Arbeit sein muss.“
Das gefiel ihr. Sie setzte sich neben ihn. Eine Weile sahen sie den Motten zu. Keine von beiden war besonders gut im Walzer. Eine verlor ständig den Takt, die andere hatte offensichtlich beschlossen, dass Kreise spießig seien. Trotzdem tanzten sie weiter, ernst und flaumig und vollkommen ohne Publikumspflicht.
Nach einer Zeit, die keine Uhr zu verwalten bekam, kam die Frau mit den grünen Fingernägeln herein.
„Das Amt schließt.“
„Habe ich etwas erledigt?“, fragte Nova.
Die Frau nahm das leere Formular, prüfte Vorder- und Rückseite und stempelte es mit großer Feierlichkeit.
NICHT ERFORDERLICH.
„Ausgezeichnet“, sagte sie. „Kommen Sie wieder, wenn Sie nichts vorhaben.“
Draußen war es noch immer Nacht. Die zwei alten Tabs waren verschwunden. Dafür trug Nova ein Geräusch in der Tasche: das kaum hörbare Rascheln von Mottenflügeln auf einer winzigen Bühne.
Sie beschloss, es niemandem zu erklären.
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